oleksiy koval

MALEREI CONTRA BILD

In ESSAYS on July 26, 2017 at 1:55 pm

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Bonaparte beim Überschreiten der Alpen am Großen Sankt Bernhard
(Ausgemalt von Jacques-Louis David, 1800)
Quelle Wikipedia

 

Obwohl ein Bild der langweiligste und ermüdendste Gegner der Malerei ist, verwechselt man allezeit die beiden Rivalen miteinander. Oder sind es vielleicht keine Rivalen in einem Wettstreit um den Menschen? Vielleicht gibt es keinen Unterschied zwischen Malerei – einem Gemälde – und einem Bild?

Im Sommer 2005 zeigte mir eine Studentin an der Kunsthochschule in Wuhan ein von ihr gemaltes Selbstporträt: eine kleine aufgespannte Leinwand auf der sie mit Ölfarben ihr Gesicht von einem Foto abgemalt hatte. Die Oberfläche der Leinwand war so perfekt behandelt, dass weder Pinselspuren noch der Farbduktus zu sehen waren. Die Oberfläche der Leinwand wirkte wie ein Bildschirm, der ein Mädchengesicht ausstrahlte. Ich wusste nicht, was ich dazu sagen sollte. Ich habe damals sehr viele solcher Abbildungen gesehen. Es war immer das gleiche, eine Art Masche. Die Abbildungen haben sich von einander nur technisch unterschieden: manche waren besser ab- und ausgemalt, manche schlechter. Ich fragte die Studentin, ob sie sich auch selbst porträtiert hat, ohne vom Foto abzumalen. Das Mädchen wurde rot und scheu, zeigte ein Selbstporträt, das sie vor einem Spiegel gemalt hatte. Die Studentin war sehr unzufrieden mit ihrem Werk. Die Pinselstriche und der Farbduktus waren unregelmässig auf der Fläche verteilt. An manchen Stellen lagen mehrere Farbschichten übereinander, so dass kein klarer Farbton zu erkennen war. Die Farb- und Hell-Dunkel-Kontraste unterstützten weder das Motiv noch das Kolorit des Gemäldes. Die Nase und Augen waren weder symmetrisch noch an den richtigen Stellen im Gesicht platziert. Die Malerei erinnerte stark an den frühen Cézanne. Es war schlechte Malerei, aber es war Malerei. Das erste Selbstporträt war ein Bild. Warum?

Nach jedem Sieg bestellte Napoleon Bonaparte ein Bild. Er diktierte das Thema, die Darstellung der Personen und schrieb sogar das Bildformat vor. Napoleon ahmte die anderen Könige nach und wollte als König nachgeahmt werden. Die Kunststudentin aus Wuhan ahmte mit ihrem perfekt ausgemaltem Selbstporträt die anderen Studenten nach und wollte nachgeahmt werden. Die Eltern, die Abbildungen von Ihren Kindern machen lassen, um diese auf dem Tisch aufzustellen oder im Geldbeutel mit sich zu tragen und bei Gelegenheit vorzuzeigen, ahmen die anderen Eltern nach und wollen nachgeahmt werden.

 

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KAZIMIR MALEVICH
Hieratic Suprematist Cross (large cross in black over red on white), 1920-1921
Collection Stedelijk Museum Amsterdam
Quelle Wikipedia

 

Ausgangspunkt der mimetischen Theorie von René Girard ist die Feststellung, dass Nachahmung Rivalität, Neid und Eifersucht erzeugt. Sie ist ansteckend und führt zu raschen Gewalteskalationen, in denen das ursprüngliche nachgeahmte Objekt keine Rolle mehr spielt. In einem umfassendem Ausstellungskatalog zum Thema Bilderkriege Iconoclash. Jenseits der Bilderkriege in Wissenschaft, Religion und Kunst von Bruno Latour und Peter Weibel bestätigt sich die Vermutung, dass das Bild, die Bildmacher und die Bildverbreiter für Gewaltausbrüche verantwortlich gemacht werden können. Man kann annehmen, dass Bilderverbote die Eskalation von Gewalt unterdrückt haben und weiterhin unterdrücken.

Ein Vergleich von Piet Mondrian und Kasimir Malewitsch illustriert prägnant den Unterschied zwischen Malerei und einem Bild. Beide Zeitgenossen haben die menschliche Sichtweise verändert: Malewitsch hat neue Bilder geliefert und Mondrian hat neu gemalt. Wenn Kasimir Malewitsch an der Verwirklichung neuer Vorstellungsbilder, Ikonen interessiert war, veränderte Piet Mondrian die Art und Weise zu malen. Der gebürtige Ukrainer hat seine Motive an-, be- oder ausgemalt, aber er hat nie gemalt. Dagegen entstanden beim holländischen Maler die Motive während des Malens.

Piet MondrianVictory boogie woogie 2009S0948

PIET MONDRIAN
Victory Boogie Woogie (1942–44)
Gemeentemuseum Den Haag
Quelle Wikipedia

 

Der Unterschied zwischen Malerei und einem Bild liegt im Ursprung und der Folge der Eigenschaften der Malerei und der Bilder. Um ein Bild zu machen, braucht man ein Motiv, Material und einen Bildermacher. Um Malerei, ein Gemälde zu schaffen, braucht man einen motivierten Maler und das nötige Material. Daraus ist ersichtlich, dass ein Bildermacher ein Interpret eines narrativen Motivs ist, Malen dagegen ist das Motiv des Malers.

In der Buchregalszene des Films Melancholie von Lars von Trier tauscht Justine rabiat die Bilder von Kasimir Malewitsch durch die Bilder von Pieter Bruegel, dem Älteren, aus. Hätte Justine die Bilder von Malewitsch durch Malerei ausgetauscht, wäre sie vermutlich nicht in den depressiven Kreislauf zurückgefallen.

Oleksiy Koval, München, Juli 2017
Besonderen Dank an Prof. Bernhard Lypp, Henri Jacobs und Veronika Wenger für die Unterstützung bei der Realisierung dieses Textes

LARS VON TRIER
Melancholia (2011)
Bookshelf scene

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 LONDON

In EVENTS | VERANSTALTUNGEN on July 20, 2017 at 8:56 am

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Kollier Din-Bangura
Lon Godin
Henriëtte Van ‘T Hoog
Oleksiy Koval
Veronika Wenger
Michael Wright

Private View
Saturday, July 22
7 – 9 pm

TILGallery
info@tilgallery.com
16 Dalston Ln, London E8 3AZ, UK


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Oleksiy Koval, RM1, 2017
53 x 50 cm, spray on quilted lining

REDUCTIVE NON OBJECTIVE PRIVATE GALLERY, COLOGNE, JULY 2017

In EVENTS | VERANSTALTUNGEN on July 15, 2017 at 12:05 pm

rm13

Oleksiy Koval, RM13, 2017
60 x 50 cm, marker on polystyrol


REDUCTIVE NON OBJECTIVE PRIVATE GALLERY
2017, Juli
EUROPA
20.07. – 22.07.2017

Eröffnung:
19.07.2017, 16 Uhr

Fr – Sa, 16 – 19 Uhr

Justin Andrews AUS
Lars Breuer DE
Lemke Van Dijk NL
Sebastian Freytag DE
Billy Gruner AUS
Kyle Jenkins AUS
Sarah Keighery AU
Oleksiy Koval DE (UA)
Jan van der Ploeg NL
Ivo Ringe DE
Suzan Shutan USA
Peter Wackernagel DE
Werner Windisch DE
Guido Winkler NL
Bruch & Dallas
www.bruchunddallas.de

Ebertplatzpassage
50668 Köln

Cologne project space Bruch & Dallas is hosting a special event entitled ‘EUROPA’ in July 2017. The initiator of this exhibition is artist and curator Dr. Billy Gruner, who lives and works in the Blue Mountains in Australia for MAP Projects and RNPG. He is the founder of several Australian contemporary art spaces dedicated to reductive art.

In 2017 RNPG is travelling Europe presenting shows focusing on artists who use the social media page Reductive Non Objective Private Gallery. The artist and curator Billy Gruner has friendship and a working relationship with the Konsortium artists dating back to 2003.

RNPG stands for Reductive Non Objective Private Gallery. It is a unique social media site where quality reductive art makers present works and connect with each other. As a result this year RNPG is doing a range of shows looking at circles of activity, and styles of production across Europe.

Billy Gruner is the founder of SNO and of MAP, or Modern Art Projects in Sydney. The style of shows he prefers are simple. Member artists are invited to supply a work and hold an opening together. Some more local makers come attend while others follow on social media. An opening is held, talks are given. Importantly, the area of expertise of the curator has been in the resurgence of reductive art after the 20th century and he, like other artists within a broad coterie of producers have participated in developing what he describes as the arrival of a new genre. As such, Gruner is connected to many developmental spaces. The artist defines this under the a rubric, Post Formalism. At the Cologne group show Gruner will talk about the stupendous rise of the reductive art genre after the 20th century, and why that shift has a special importance for German art making in particular, Concrete Art and the like.

At the openings artists can also speak, and have special ideas outlined. The RNPG EUROPA show will include an array of art makers whose works are photographed and placed on social media. RNPG is designed to be modern, highly fluid and relaxed.

RNPG IS currently presenting shows in Holland, Germany, and Australia in association with IS-Projects, MAP, A9e and the newly established KNO in Kiev.

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