oleksiy koval

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MALEREI CONTRA BILD

In ESSAYS on July 26, 2017 at 1:55 pm

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Bonaparte beim Überschreiten der Alpen am Großen Sankt Bernhard
(Ausgemalt von Jacques-Louis David, 1800)
Quelle Wikipedia

 

Obwohl ein Bild der langweiligste und ermüdendste Gegner der Malerei ist, verwechselt man allezeit die beiden Rivalen miteinander. Oder sind es vielleicht keine Rivalen in einem Wettstreit um den Menschen? Vielleicht gibt es keinen Unterschied zwischen Malerei – einem Gemälde – und einem Bild?

Im Sommer 2005 zeigte mir eine Studentin an der Kunsthochschule in Wuhan ein von ihr gemaltes Selbstporträt: eine kleine aufgespannte Leinwand auf der sie mit Ölfarben ihr Gesicht von einem Foto abgemalt hatte. Die Oberfläche der Leinwand war so perfekt behandelt, dass weder Pinselspuren noch der Farbduktus zu sehen waren. Die Oberfläche der Leinwand wirkte wie ein Bildschirm, der ein Mädchengesicht ausstrahlte. Ich wusste nicht, was ich dazu sagen sollte. Ich habe damals sehr viele solcher Abbildungen gesehen. Es war immer das gleiche, eine Art Masche. Die Abbildungen haben sich von einander nur technisch unterschieden: manche waren besser ab- und ausgemalt, manche schlechter. Ich fragte die Studentin, ob sie sich auch selbst porträtiert hat, ohne vom Foto abzumalen. Das Mädchen wurde rot und scheu, zeigte ein Selbstporträt, das sie vor einem Spiegel gemalt hatte. Die Studentin war sehr unzufrieden mit ihrem Werk. Die Pinselstriche und der Farbduktus waren unregelmässig auf der Fläche verteilt. An manchen Stellen lagen mehrere Farbschichten übereinander, so dass kein klarer Farbton zu erkennen war. Die Farb- und Hell-Dunkel-Kontraste unterstützten weder das Motiv noch das Kolorit des Gemäldes. Die Nase und Augen waren weder symmetrisch noch an den richtigen Stellen im Gesicht platziert. Die Malerei erinnerte stark an den frühen Cézanne. Es war schlechte Malerei, aber es war Malerei. Das erste Selbstporträt war ein Bild. Warum?

Nach jedem Sieg bestellte Napoleon Bonaparte ein Bild. Er diktierte das Thema, die Darstellung der Personen und schrieb sogar das Bildformat vor. Napoleon ahmte die anderen Könige nach und wollte als König nachgeahmt werden. Die Kunststudentin aus Wuhan ahmte mit ihrem perfekt ausgemaltem Selbstporträt die anderen Studenten nach und wollte nachgeahmt werden. Die Eltern, die Abbildungen von Ihren Kindern machen lassen, um diese auf dem Tisch aufzustellen oder im Geldbeutel mit sich zu tragen und bei Gelegenheit vorzuzeigen, ahmen die anderen Eltern nach und wollen nachgeahmt werden.

 

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KAZIMIR MALEVICH
Hieratic Suprematist Cross (large cross in black over red on white), 1920-1921
Collection Stedelijk Museum Amsterdam
Quelle Wikipedia

 

Ausgangspunkt der mimetischen Theorie von René Girard ist die Feststellung, dass Nachahmung Rivalität, Neid und Eifersucht erzeugt. Sie ist ansteckend und führt zu raschen Gewalteskalationen, in denen das ursprüngliche nachgeahmte Objekt keine Rolle mehr spielt. In einem umfassendem Ausstellungskatalog zum Thema Bilderkriege Iconoclash. Jenseits der Bilderkriege in Wissenschaft, Religion und Kunst von Bruno Latour und Peter Weibel bestätigt sich die Vermutung, dass das Bild, die Bildmacher und die Bildverbreiter für Gewaltausbrüche verantwortlich gemacht werden können. Man kann annehmen, dass Bilderverbote die Eskalation von Gewalt unterdrückt haben und weiterhin unterdrücken.

Ein Vergleich von Piet Mondrian und Kasimir Malewitsch illustriert prägnant den Unterschied zwischen Malerei und einem Bild. Beide Zeitgenossen haben die menschliche Sichtweise verändert: Malewitsch hat neue Bilder geliefert und Mondrian hat neu gemalt. Wenn Kasimir Malewitsch an der Verwirklichung neuer Vorstellungsbilder, Ikonen interessiert war, veränderte Piet Mondrian die Art und Weise zu malen. Der gebürtige Ukrainer hat seine Motive an-, be- oder ausgemalt, aber er hat nie gemalt. Dagegen entstanden beim holländischen Maler die Motive während des Malens.

Piet MondrianVictory boogie woogie 2009S0948

PIET MONDRIAN
Victory Boogie Woogie (1942–44)
Gemeentemuseum Den Haag
Quelle Wikipedia

 

Der Unterschied zwischen Malerei und einem Bild liegt im Ursprung und der Folge der Eigenschaften der Malerei und der Bilder. Um ein Bild zu machen, braucht man ein Motiv, Material und einen Bildermacher. Um Malerei, ein Gemälde zu schaffen, braucht man einen motivierten Maler und das nötige Material. Daraus ist ersichtlich, dass ein Bildermacher ein Interpret eines narrativen Motivs ist, Malen dagegen ist das Motiv des Malers.

In der Buchregalszene des Films Melancholie von Lars von Trier tauscht Justine rabiat die Bilder von Kasimir Malewitsch durch die Bilder von Pieter Bruegel, dem Älteren, aus. Hätte Justine die Bilder von Malewitsch durch Malerei ausgetauscht, wäre sie vermutlich nicht in den depressiven Kreislauf zurückgefallen.

Oleksiy Koval, München, Juli 2017
Besonderen Dank an Prof. Bernhard Lypp, Henri Jacobs und Veronika Wenger für die Unterstützung bei der Realisierung dieses Textes

LARS VON TRIER
Melancholia (2011)
Bookshelf scene

LAURA SÁNCHEZ SERRANO IM GESPRÄCH MIT OLEKSIY KOVAL

In INTERVIEWS on May 5, 2017 at 8:51 am
Oleksiy Koval, “Schar”, 2012, 55 x 50 cm, marker, packing tape on polyester. Photo © Klaus Mauz

Oleksiy Koval, ‘Schar’, 2012, 55 x 50 cm, marker, tape on FPY. Private collection, Starnberg. Photo © Klaus Mauz


Jede Oberfläche, jedes Material kann für Oleksiy Koval zur Herausforderung werden. Bewaffnet mit seinen Lieblingswerkzeugen, Farbe und Kreativität, kämpft Oleksiy Koval mit Oberflächen, die seine Aufmerksamkeit durch ihre Form, Textur, Struktur und Farbe auf sich ziehen. Seine Schlacht, die Malerei, entwickelt sich in einer Reihe von bedachten instinktiven Bewegungen, im Zeichnen rhythmischer Formen, in fast musikalischen Pinselstrichen auf seinem Gegner, der Leinwand.

Laura Sánchez Serrano: Erinnerst du dich, wann du zu malen angefangen hast?

Oleksiy Koval: Ich war 3 Jahre alt. Mein Vater ist Gestalter von Kinderbüchern; er arbeitete zu Hause und hatte immer Material und Farbe, die ich benutzen konnte.

LSS: Das heißt, du bist in Künstlerfamilie groß geworden?

OK: Nicht wirklich. Mein Vater ist Grafikdesigner und meine Mutter Architektin. Ich habe auch einen Onkel, der in der Oper singt, aber kein Mitglied der Familie hat mit bildender Kunst zu tun.

LSS: Du hattest deine erste künstlerische Ausbildung in Kiew. Aber du bist schon mit 19 Jahren nach München gekommen und seit dem lebst du hier. Warum bist du überhaupt nach München gekommen?

OK: Ich war neugierig, wie Kunst in Deutschland unterrichtet wird. Der Kunstunterricht in Kiew war ziemlich konservativ und ich wollte mehr über die zeitgenössische Kunst lernen. Zu diesem Zeitpunkt waren die Lehrer in München ziemlich berühmt in der zeitgenössischen Kunstszene. Deswegen habe ich mich entschieden, hierher zu kommen. Außerdem war die Münchner Kunstakademie die einzige bekannte in Kiew.

LSS: Und dann bist du geblieben?

OK: Am Anfang dachte ich, ich würde nur ein paar Jahre bleiben und dann nach Kiew zurückkehren. Aber als ich nach Kiew zurück kam, merkte ich, dass es nicht mehr der Ort war, den ich verlassen hatte. Es war besser, in München zu bleiben um meine Künstlerlaufbahn fortzusetzen. München ist eine Stadt mit vielen Möglichkeiten und gut vernetzt. Von München aus ist es einfach, überallhin zu reisen. Außerdem hatte ich schon Freunde, Beziehungen, und meine Familie hier; also ich hatte keinen Grund in die Ukraine zurück zu gehen.

LSS: Welche Künstler haben deine Arbeit beeinflusst?

OK: Garry Kasparov, Valeriy Lobanovskiy, Segiy Paradzhanov, Andrey Tarkovskiy, Blinky Palermo, Robert Ryman, Steve Coleman, Medardo Rosso, Paul Cezanne, Piet Mondrian, Tizian…

LSS: Eine sonderbare Gruppe von Leuten. Interessanterweise sind die ersten beiden keine Künstler, sondern ein Schachspieler und ein Fussballtrainer. Wie haben sie deine Arbeit beeinflusst?

OK: Ich denke, es gibt eine Menge von Gemeinsamkeiten zwischen Schach, Fussball und Malerei. Alle von ihnen brauchen eine Fläche (ein Schachbrett, ein Fußballfeld, eine Leinwand), Elemente, die sich in einer rhythmischen Weise bewegen (Schachfiguren, Fußballspieler und Pinselstriche) und eine Strategie. Alle von ihnen haben das selbe Ziel: Gewinnen. Egal, ob das bedeutet, gegen einen Schachspieler zu gewinnen, eine Mannschaft, oder, im Falle der Malerei, gegen die Oberfläche.

LSS: Ist Malerei ein Spiel für dich?

OK: Meistens, die Malerei ist meine größte Leidenschaft. Aber ja, es ist wie ein Spiel: die Fläche ist mein Feind und mein Ziel ist, sie zu besiegen und den Kampf zu gewinnen.

LSS: Gibt es Regeln in diesem Kampf? Was ist dein Malprozess?

OK: Zuerst wähle ich eine Oberfläche, die meine Aufmerksamkeit auf sich zieht. Der Prozess beginnt mit dem Akt der Beobachtung. Ich beobachte stundenlang sorgfältig die Farben und die Fläche. Am Anfang entscheide ich über die Strategie, die auf Farbe, Material, Rhythmus, Bewegung oder Struktur beruht. Dann greife ich an. Das Ziel ist eine Balance zu finden zwischen Kontrolle und Improvisation, Freiheit und Wissen, Verständnis und Intuition. Das Endergebnis hängt von all diesen Faktoren ab. Wenn ich gewinne, wird ein Teil von mir auf der besiegten Fläche sein.

LSS: Die meisten deiner Arbeiten sind nach einem überlegten Schema erstellt. Eigentlich hast du eine Art visueller Partitur entwickelt, mittels derer du die Oberfläche in Zonen aufteilst, welche den Rhythmus und das Tempo deines Pinselstriches bestimmen. Ist das als Methode nicht zu restriktiv?

OK: Meine Methode ist nicht statisch. Ich kombiniere Struktur und Improvisation. Die Struktur erlaubt es mir, mehr Freiheit zu haben. Es ist eine Konstante, die Variablen enthält. Die Malerei ist wie das Leben, sie braucht Struktur. Wir haben Termine, Uhren; wir planen Treffen, so wie das hier heute. Aber was wir während dieser Treffen machen, kann spontan und kreativ sein. Dasselbe gilt für meine Methode. Ich habe einen Rahmen, der es mir ermöglicht, beim Malen unbehindert zu reagieren. Am Ende sind es spontane Reaktionen, die bestimmen, ob ich gegen die Fläche gewinne oder verliere.

LSS: Warum ist Rhythmus so wichtig in deiner Arbeit?

OK: Rhythmus ermöglicht es mir, Raum und Zeit zu kontrollieren. Manchmal fängst du an zu malen und nach einer Weile merkst du, dass du dich in der Malerei verloren hast. Ich erkannte, dass ich eine gewisse Struktur brauche, um das zu verhindern. Das rhythmische Gerüst, das ich mir vor dem Malen aufbaue, erlaubt mir, die Fläche zu malen, ohne mich selbst in dem Prozess zu verlieren. Rhythmus gibt meiner Malerei eine Struktur. Er hilft mir, mich nicht auf der Fläche zu verirren.

LSS: Du arbeitest mit vielen verschiedenen Materialien. Wie wählst du sie aus? Was sind deine Kriterien?

OK: Ich verwende die Materialien, die ich anziehend finde. Solche, die interessant und schön aussehen. Die Art und Weise sie zu finden ist ziemlich zufällig. Es kann ein Karton eines Pakets sein, das ich erhalten habe, das Holz, das ich in der Werkstatt eines Schreiners finde… Ich habe viel mit klassischen Materialien gearbeitet; aber ich mag es wirklich, mit neuen zu arbeiten und zu experimentieren. Zum Beispiel arbeitete ich in letzter Zeit mit Polyesterstoff, den ich im Atelier einer Modedesignerin gefunden habe. Ich liebe es, neue Materialien auszuprobieren. Es macht Spaß und ich denke, Spaß sollte ein wesentlicher Bestandteil der Malerei sein.

LSS: Welche Rolle spielt die Farbe in deiner Arbeit?

OK: Es ist eines der grundlegenden Elemente meiner Arbeit; zusammen mit Material und Rhythmus. Farbe ist die Essenz der Malerei. Malen heißt, Farben auf die Fläche zu bringen. Und das ist es, was mich an der Malerei fasziniert: die Farben auftragen, sie kombinieren, sie mischen und sehen, wie sie reagieren; die Wirkung, die sie auf der Oberfläche haben. Aber auch, wie wir sie wahrnehmen. Wenn ich male, bringe ich bewusst drei grundlegende Parameter auf die Fläche: Material, Farbe und Rhythmus.

LSS: 2010 hast du zusammen mit Stefan Schessl und Kuros Nekouian die Gruppe Rhythm Section gegründet. Was ist die Idee hinter diesem Projekt?

OK: Im Jahr 2005 traf ich Stefan Schessl in China bei einer Ausstellung, an der wir beide beteiligt waren. Wir sind Freunde geworden und diskutierten regelmäßig über den Rhythmus in unseren Werken. Kuros Nekouian trat etwas später in unsere Gespräche ein. Wir beschlossen, den Begriff des Rhythmus in der zeitgenössischen Kunst zu erforschen. Wir gründeten die Gruppe, die Künstler bei der Erforschung des Themas unterstützt. Künstler in der Gruppe tauschen untereinander Ideen aus, lernen von ihren Erfahrungen und organisieren Ausstellungen zusammen.

LSS: Wie viele Künstler sind Mitglieder der Gruppe?

OK: Mittlerweile besteht die Gruppe aus mehr als 25 Künstlern. Nicht nur Maler, sonder alle Arten von Künstlern. Wir erhalten ständig Beitrittsanfragen von Künstlern. In fast jeder Ausstellung laden wir neue Künstler ein. Wir wählen die Künstler auf Grund des Projektes, dem Land, in dem die Ausstellung stattfindet, etc. Alle Künstler, die Interesse haben, mit Rhythmus zu arbeiten, sind bei uns willkommen, solange ihre Arbeiten ins Konzept von Rhythm Section passen.

LSS: Im Jahr 2011 hast du eine andere Gruppe gegründet, The Beautiful Formula Collective. Wie ist diese Gruppe beschaffen?

OK: The Beautiful Formula Collective ist eine offene Gruppe, die zusammen an einzelnen Gemälden arbeitet, nach einer anfänglichen Formel: eine rhythmische Struktur, die dem Auftrag von Farben eine Form gibt. Im Gegensatz zu Rhythm Section geht es bei The Beautiful Formula Collective nur um Malerei und über das gemeinsame Erstellen von Werken. Wir verwenden ursprünglich Muster oder Strukturen, aufgrund derer Handlungszonen, Rhythmus und Tempo bestimmt sind. Jeder von uns malt nach den Regeln; aber jeder reagiert gleichzeitig auch auf das, was die anderen tun. Das Endergebnis ist genauso interessant wie der Prozess. Deshalb machen wir es oft in der Öffentlichkeit, als Performance; oder zusammen mit anderen Künstlern oder Studenten als Workshop.

LSS: In gewissem Sinne ist das eine Gruppenversion der Regeln, die du dir für deine eigene Arbeit gegeben hast. Dank The Beautiful Formula Collective bist du nicht mehr allein in deinem Kampf gegen die Fläche?

OK: Sicher, es ist eine Teamarbeit. Der interessanteste Teil dabei ist zu sehen, wie Künstler aus verschiedenen Ländern und Hintergründen (z. B. Traditionelle Malerei, Street Art, Grafikdesign) gemeinsam nach vorher bestimmten Regeln malen, um erstaunliche Ergebnisse zu erziehen.

LSS: Seit dem Du diese beiden Gruppen gegründet hast, hast du deine Arbeiten in vielen Gruppenausstellung in der ganzen Welt (Zürich, Singapur, Kiew, etc) gezeigt. Wo wird das nächste Projekt stattfinden?

OK: Wir haben viele Projekte in diesem Jahr. Am 9. und 10. Februar werde ich einen Workshop in Kiew an der School of Visual Communication organisieren. Im April haben wir drei Ausstellungen: eine in China, eine in Griechenland und eine in den Niederlanden. Es wird ein Jahr voller schöner Projekte.

LSS: Das klingt spannend. Viel Glück mit all deinen Projekten und Dankeschön dafür, mit uns einige Gedanken zu deiner Arbeit auszutauschen. Ich hoffe, du wirst weiterhin die Flächen besiegen!

Für das Katalog Die Fläche besiegen
München, Januar 2013

DIE SCHÖNE FORMEL / VIDEO

In EVENTS | VERANSTALTUNGEN on April 30, 2017 at 7:01 pm


Oleksiy Koval

DIE SCHÖNE FORMEL

Vortrag
im Rahmen des Symposiums
zur Rhythm Section Ausstellung

“Liebe nur die Spiele und den Tanz.
Suche in allem nur den Rhythmus.”
Magallon

26. März
Sonntag 15 Uhr

Schafhof
Europäisches Künstlerhaus Oberbayern
Am Schafhof 1
85354 Freising

THE BEAUTIFUL FORMULA COLLECTIVE – STEVE COLEMAN AND FIVE ELEMENTS (II)

In EVENTS | VERANSTALTUNGEN on August 7, 2016 at 7:17 am

Live Performance
20. Juli 2016
20:30 Uhr
Lothringer13 Halle

STEVE COLEMAN AND FIVE ELEMENTS:
Steve Coleman, Jonathan Finlayson, Miles Okasaki, Sean Rickman, Anthony Tidd

THE BEAUTIFUL FORMULA COLLECTIVE:
Karina Bugayova, Daniel Geiger, Oleksiy Koval, Veronika Wenger

Seit meinem Studium an der Akademie der Bildenden Künste in München beschäftige ich mich mit dem Rhythmus in der Malerei. Rhythmus im Sinne von Strukturierung der Bewegung: das Anbringen von Farben auf einer Fläche.

Da der Rhythmus in der Musik, im Gegensatz zur Malerei, bereits eine differenziert erforschte Kategorie ist, habe ich beschlossen von der Musik zu lernen und mein Wissen über Rhythmus in der Malerei weiter zu entwickeln. Aus diesem Grund habe ich Kontakt mit dem amerikanischem Musiker und Komponist Steve Coleman aufgenommen, der sich explizit mit Rhythmus in seiner Musik auseinandersetzt. Durch die Zusammenarbeit mit Steve Coleman konnte Ich meine Kenntnisse über Rhythmus vertiefen.

In diesem Projekt sollen in der Zusammenarbeit mit The Beautiful Formula Collective und Steve Coleman neue Kompostionen erarbeitet sowie eine neue Form der Malerei durch eine Live Performance, gemeinsam abgehalten von Musikern und Malern, die vor Publikum stattfinden wird, eröffnet werden.

Kompositionen mit konstanten rhythmischen Motiven werden variabel von einem interdisziplinären Ensemble von Musikern und Malern am 20. Juli 2016 in der Lothringer 13 Halle vor Publikum ausgeführt.

Oleksiy Koval, München 2016

Steve Coleman ist ein US-amerikanischer Jazz-Musiker, Alt-Saxophonist, Bandleader, Komponist und Preisträger des MacArthur Fellowship Geniepreises, Guggenheim Fellowship, Doris Duke Impact and Doris Duke Performing Artist Awards, und a New Music USA. 
www.m-base.com

The Beautiful Formula Collective wurde 2012 in München von Oleksiy Koval, Stefan Schessl, Kuros Nekouian, Veronika Wenger, Daniel Geiger, Pascal Worsch gegründet. Seit 2012 hat The Beautiful Formula Collective Live-Painting-Performances, Workshops und Seminare an Kunsthochschulen, Galerien und Museen u.a. in München, Zürich, Singapur, Kiew, Wuhan, Tbilisi und London realisiert. 
www.thebeautifulformula.de


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Photo © Dmytro Goncharenko

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Photo © Dmytro Goncharenko

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The Beautiful Formula Collective – Steve Coleman and Five Elements
Photo © Dmytro Goncharenko

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Steve Coleman and Five Elements
Photo © Dmytro Goncharenko

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Photo © Dmytro Goncharenko

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Karina Bugayova
Photo © Dmytro Goncharenko

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Photo © Dmytro Goncharenko

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Daniel Geiger
Photo © Dmytro Goncharenko

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Miles Okasaki and Anthony Tidd
Photo © Dmytro Goncharenko

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Veronika Wenger
Photo © Dmytro Goncharenko

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Steve Coleman and Jonathan Finlayson
Photo © Dmytro Goncharenko

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Oleksiy Koval
Photo © Dmytro Goncharenko

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Sean Rickman
Photo © Dmytro Goncharenko

gau

GAU
marker, tape on FPY, 110 x 130 cm
Karina Bugayova, Daniel Geiger, Oleksiy Koval, Veronika Wenger
Photo © Dmytro Goncharenko

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Untitled
ink on FPY, 80 x 70 cm
Karina Bugayova, Daniel Geiger, Oleksiy Koval, Veronika Wenger
Photo © Dmytro Goncharenko

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Fliege
marker on FPY, 100 x 90 cm
Karina Bugayova, Daniel Geiger, Oleksiy Koval, Veronika Wenger
Photo © Dmytro Goncharenko

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4 Solo
marker on foil, 140 x 200 cm
Karina Bugayova, Daniel Geiger, Oleksiy Koval, Veronika Wenger
Photo © Dmytro Goncharenko

imp02

Untitled
marker, ink on foil, 99 x 89 cm
Karina Bugayova, Daniel Geiger, Oleksiy Koval, Veronika Wenger
Photo © Dmytro Goncharenko

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The Beautiful Formula Collective – Steve Coleman and Five Elements
Photo © Dmytro Goncharenko


see more:
The Beautiful Formula Collective – Steve Coleman and Five Elements (I)

THE BEAUTIFUL FORMULA

In ESSAYS on July 9, 2016 at 10:44 am
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Valeriy Lobanovskiy (1939 – 2002) Picture: Imago

Im Januar 1997 kehrte Trainer Lobanovskiy, aus Kuwait zu Dynamo Kiew zurück. Der Club befand sich damals in einer tiefen Krise. Aber dem ukrainischen Fußball-Trainer gelang es schon im selben Jahr, Kiew an die Spitze des europäischen Fußballs zurückzubringen. 22. Oktober 1997, UEFA Champions League: die Fussballmannschaft Barcelona ist zu Gast bei Dynamo Kiew. Barcelona verliert 3:0. Pech erklärte Louis van Gaal, damals Trainer des spanischen Meisters, während der Pressekonferenz die Niederlage seiner Mannschaft. Eine Woche später in Barcelona gewann Dynamo Kiew das Rückspiel mit 0:4. Einen Monat später wurde Kiew Sieger in der Gruppe C, in der neben Barcelona, Eindhoven und Newcastle gespielt haben. Grund für diese Erfolge war eine besondere Spielweise, die Valeriy Lobanovskiy selbst als Universal-Fußball bezeichnete. Lobanovkiy’s Unternehmen ist wirklich eine Philosophie, die sich aus einer Art osteuropäischer Beschaulichkeit herleitet. Valeriy Lobanovskiy betrachtete Fussball als physischen Prozess, an dem zwei kritische Massen teilnehmen. Die Aufgabe dieser Massen heisst: Raum ergreifen und kontrollieren. Kontrolle bedeutet dabei nicht unbedingt Räume zu besitzen, sondern dem Gegner den Spielrhythmus aufzuzwingen.

442 v 351.  Soccer formation tactics on a blackboard.

442 v 351. Soccer formation tactics on a blackboard.

…dem Gegner den Spielrhythmus aufzuzwingen – was heisst das genau?
Um diese Frage zu beantworten, sollte man zuerst klären was Rhythmus ist.

Biologischer Rhythmus entsteht durch regelmäßig wiederkehrende Zustände und Veränderungen von Organismen; in der Poesie unterscheidet man im Rhythmus die Abfolge verschiedener Akzentmuster von der metrischen Konstanz der Versmaße; unter Sprechrhythmus versteht man die zeitliche Gliederung sprachlicher Rede; die durch die Folge unterschiedlicher Notenwerte bezeichneten Akzentmuster, die über dem Grundpuls liegen, ergeben den Rhythmus in der Musik.

Im Inhaltsverzeichnis des Buches Der Liebe Tun von Sören Kierkegaard findet man ein Beispiel für die Art wie der Rhythmus die Bedeutung desselben Satzes beeinflussen kann:

Abschnitt II.

B. Du sollst den N ä c h s t e n lieben.
C. D u sollst den Nächsten lieben.

Der Rhythmus ist also eine Akzentuierung innerhalb einer regelmäßigen, wiederkehrenden Konstante.

Verteidigung und Angriff sind Lobanovskiys Akzentmuster während des Spiels. Das Bestimmen des Einsatzes solcher Akzente heisst: dem Gegner den Spielrhythmus aufzuzwingen.

Ich betrachte die Malerei als ein Spiel und ich interessiere mich als Maler für Fussball, weil sich für mich Malerei und Fussballspiel in einem Verhältnis der Ähnlichkeit bewegen. Wie in allen übrigen Spielen zählt in der Malerei das erfolgreiche Ergebnis. Ich will im Kampf gegen die Fläche triumphieren. Allerdings bin ich erst dann zufrieden, wenn ich nicht nur irgendein erfolgreiches Ergebnis erreiche, sondern wenn ich mein Konzept realisiert habe. Ein solcher Erfolg lässt sich nicht im voraus bestimmen, aber man kann sich um Prozeduren bemühen, die ihn möglich machen. Genauso wie es beim Fussballspiel geschieht, suche ich den Rhythmus in der Malerei.

Und was ist Rhythmus in der Malerei?

Die Antwort auf diese Frage liegt im Wesen der Malerei. Malerei ist das Anbringen von Farben mittels Hand oder anderer Gegenstände auf einer Fläche. Das Anbringen von Farben auf einer Fläche ist eine Bewegung im Raum und in der Zeit. Die Akzentuierung dieser Bewegung ist der Rhythmus in der Malerei.

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Picture: Jim Pickerell

Um Rhythmus in der Malerei zu illustrieren nehme ich einen Bus als Beispiel. Ein Bus hat eine bestimmte Anzahl von Sitz- und Stehplätzen, die über den Innenraum verteilt und vom den Konstrukteuren bestimmt sind. Die Akzentuierung, bzw. den Rhythmus, der innerhalb eines Grundmusters (Verteilung den Plätzen) stattfindet, schaffen die Passagiere, ob klein oder gross, dick oder dünn, allein oder in Gruppen, mit Kinderwagen oder Rollstuhl. Die Einheiten, deren Größe und Charakter, die ein Maler auf der Fläche anbringt, sind die Passagiere eines Buses.

Leben ist permanente Bewegung in Zyklen und Rhythmen. Solche Rhythmen prägen meine physische und psychische Verfassung und wirken sich unmittelbar auf meine Malerei aus. Je sicherer und bewusster ich mit ihnen umgehe, desto höher sind meine Chancen auf den Sieg über die Fläche.

Die Lust am Malen vergeht schnell, wenn sich das Konzept nicht realisieren lässt. Oft liegt die Unfähigkeit es zu verwirklichen nicht an verschiedenen Techniken der Malerei, sondern daran wie man verschiedene Techniken aufzurufen in der Lage ist. Die Arbeit mit verschiedenen Techniken erlaubt mir das Terrain zu wechseln und erhöht meine Chancen auf den Sieg über die Fläche. Derart wechselnde Bewegungen bilden einen technischen Rhythmus, der mir erlaubt meinen physischen Rhythmus effizient zu nutzen.

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Garry Kasparov. Picture: 2007, S.M.S.I., Inc. – Owen Williams,The Kasparov Agency

In der Malerei habe ich von Garry Kasparov gelernt. Während meiner Kindheit in Kiew in den 80er Jahren war Schachspiel genauso angesehen wie Fussball oder Eishockey. Für diese Popularität sorgte vor allem das Duell zwischen Anatoliy Karpov und Garry Kasparov. Da Anatoliy Karpov damals in der Hauptstadt der sowjetischen Ukraine als Favorit und Vertreter der Moskauer Regierung galt, gewann Garry Kasparov die Sympathie der Kiewer. Kasparov’s Spielkunst ermöglichte dem Großmeister 1985 den WM-Titel zu erobern und die nächsten 15 Jahre erfolgreich zu verteidigen.

Der Großmeister macht Züge, nicht weil er nur spontan auf Ereignisse reagiert, sondern weil er den Gegner in 10-15 Zügen schachmatt setzen will. Ich bringe Farben auf eine Fläche nicht in unmittelbarer Reaktion auf ein Geschehen, sondern weil ich die Fläche als ganze besiegen will. Ziel im Schach ist es, den König des gegnerischen Spielers schachmatt zu setzen; Ziel der Malerei ist es – die Fläche zu besiegen.

Ein Ziel erfordert Strategie und Taktik. Jede Berührung der Oberfläche des Gemäldeträgers mit der Farbe stimmt entweder mit meiner Strategie überein oder sie widerspricht ihr. Das kontinuierliche Nachdenken über das Procedere beim Malen hilft mir über die Hindernisse der Unentschlossenheit und der bloßen Selbstsicherheit hinwegzukommen. Ob ich mich auf der Fläche langsam, Schritt für Schritt oder schnell, dynamisch, angreifend bewege, entscheide ich mit Beginn des Spiels. Aber es gibt keine universelle Strategie, die den Erfolg garantiert. Ich liebe es schnell, dynamisch und angreifend zu malen, aber wie oft habe ich mich in dieser Vorgehensweise verloren! Oftmals ändert sich die Situation auf der Fläche während ich mit den Farben jongliere und ich muss entscheiden, ob ich meine ursprüngliche Strategie beibehalte oder nach einer neuen greife?

Im Schach und in der Malerei gibt es Züge, die der Strategie des Vorgehens absolut widersprechen und das Spiel doch retten. Wenn die Strategie ein Spielentwurf ist, dann ist die Taktik eine bewusste Reaktion auf den Spielverlauf. Oft gelange ich beim Malen zu einer ausgewogenen Position – ich habe ein Unentschieden erreicht. Ich will aber weiter gehen und wenn ich es tue, verliere ich die erreichte Position. Das muss ich aushalten. Beim Schach wird ein solcher Zustand achtsames Nichtstun genannt. Die Ausgewogenheit zwischen mir und dem entstehenden Gemälde dauert nicht und es wird mir klar, dass ich einen Angriff wagen muss. Wenn ich mich aber nicht beherrsche, wird es kein Unentschieden mehr geben und ich werde verlieren. Das strategische Ziel muss sich organisch in taktisches Denken überführen lassen.

Häufig bricht aber eine Intuition in den Verlauf der Regeln ein und verlangt einen nächsten Schritt. Jedes gelungene Gemälde von mir hat Stellen, die sich der Deutung entziehen. Solche Stellen auf der Fläche stehen im Widerspruch zu meinen Absichten und dennoch spielen sie eine wesentliche Rolle. Wenn ich mich aber der Intuition zu sehr überlasse, mache ich Fehler, und die gemalte Fläche zerbröckelt. Das Kalkül darf nicht zum Schema degenerieren.

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Paul Cézanne (1839 – 1906) Picture: http://impressionist-art.com/cezanne_photo.html

Was ist The Beautiful Formula?

Im Buch Gespräche mit Cézanne zitiert Joachim Gasquet den französischen Maler:
… Man muß ein guter Arbeiter sein. Nichts als ein Maler. Eine Formel haben, verwirklichen.
Er blickt mich traurig und zugleich erhaben an.
Das Ideal des Erdenglückes … eine schöne Formel.

Während meines Studiums an der Akademie der Bildenden Künste München suchte ich nach einer Polarität in der Malerei: ich wollte räumliche Darstellungen vermeiden und stattdessen eine Differenz wiedergeben, in der die Farbe auf der Fläche bleibt und dennoch eine visuelle Weite gewinnt. Um mich beim Experimentieren mit den Eigenschaften von Farben nicht zu verlieren, suchte ich nach einer Organisation der Fläche, die mir einen anschaulichen Einstieg und einen erkennbaren Abschluss beim Malen verschaffen sollte. So habe ich ein Grundmuster entwickelt, das die Fläche in gleichen Abständen durch zahlenmäßige Impulse wie z.B. 1/4, 1/9, 1/16 , 1/25 oder 1/36 teilt. mEin solches Metrum bestärkt nicht nur die Konzentration bei spontanen Entscheidungen zwischen entstehenden Ereignissen, sondern bewirkt auch den bewussten Umgang mit dem Tempo, in dem sich Farben auf Flächen anbringen lassen.

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Oleksiy Koval, Lamed, 2002, acrylic on MDF, 132 x 132 cm Private collection Munich. Photo © Bernard Larsson

Parallel zur Einteilung der Fläche habe ich meine Gedanken auf das Procedere der Bewegung beim Malen konzentriert. Ein herausragendes Element des Malprozesses ist der Rhythmus, in dem sich die Herstellung eines Werkes vollzieht. Rhythmische Strukturen generieren den Malprozess als eine mehr oder minder geregelte Bewegung in Raum und Zeit. Sie geben dem Anbringen von Farben auf Flächen eine Form.

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Oleksiy Koval, RM10, monochrome lithography Private collection Munich

Die Regeln derartiger Formgebung, ihre Folge und ihr Anzahl lassen sich festlegen und als rhythmische Motive wie z.B. 2,3,1 oder 1,1,2 handhaben. Hierbei hat man sich 1 als frei zu wählende basale Bewegungseinheit vorzustellen.

Als Beispiel eines rhythmischen Motivs nehme ich ein Feigenblatt. Wenn man die Größenverhältnis eines einzelnen Teils des Blattes vergleicht, bekommt man folgenden Rhythmus: 1,1,3,3,5.

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Solche Grundmuster bei der Teilung der Fläche und dem Procedere der Bewegung beim Malen lassen sich mit der Hilfe von bestimmten Zeichen und Symbolen notieren. So ist die Sprache The Beautiful Formula Language entstanden. Diese Sprache ermöglicht es, den Verlauf von Kompositionen zu begreifen, die Kompositionen zu verwirklichen und neue zu entwerfen.

Als Beispiel für eine Komposition, die mit The Beautiful Formula Language entworfen und aufgeschrieben wurde, nehme ich die Komposition Melancholiker von 2015. (mehr unter Composition)

Oleksiy Koval, “Melancholiker”, 2015, 70 x 65 cm, marker, tape on FPY

Oleksiy Koval, “Melancholiker”, 2015, 70 x 65 cm, marker, tape on FPY

Die Idee, The Beautiful Formula Konzept bei einer Gruppenarbeit anzuwenden, wurde im Winter 2012 erfolgreich realisiert. Mit fünf anderen Künstlern aus verschiedenen Bereichen der Bildenden Kunst (Malerei, Zeichnung, Graffiti) habe ich eine offene Gruppe The Beautiful Formula Collective gegründet. Seit 2012 hat The Beautiful Formula Collective Live-Painting-Performances, Workshops und Seminare an der Kunsthochschulen, Galerien und Museen u.a. in München, Zürich, Singapur, Kiew, Wuhan, Tbilisi und London realisiert. Die spontane und reflexartige Reaktion auf visuelle Bedingungen einer Komposition auf der Fläche ist die wesentliche Struktur von The Beautiful Formula Collective.

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The Beautiful Formula Collective 2012 Stefan Schessl, Oleksiy Koval,Veronika Wenger, Pascal Worsch, Daniel Geiger, Kuros Nekouian. Picture: LW44

Das Beautiful Formula-Konzept erlaubt nicht nur die Verwirklichung von Kunstwerken in verschieden Bereichen der bildendende Kunst, sondern ist auch medienübergreifend.

Seit 2000 setze ich mich mit den Werken des US-amerikanischen Musikers, Alt-Saxophonisten, Bandleaders und Komponisten Steve Coleman auseinander. Mich faszinieren an Coleman’s Musik vor allem seine rhythmischen Formen und die Art und Weise, wie er diese variiert. Wie Lobanovskiy’s Dynamo von der Verteidigung zum Angriff, so gehen Steve Coleman’s Bands rhythmisch von Stille zu Sound über. In einem Interview sagte Steve Coleman, er wolle das Erkennen natürlicher Rhythmen des Universum ausdrücken.

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Steve Coleman. Photo © Anna Drabinski

Im Sommer 2008 habe ich Steve Coleman im Night Club des Hotels Bayerischer Hof in München mit zwei Bands live gehört. Der Altsaxophonist und seine Five Elements aus New-York trafen auf die Rapper des Hip-Hop-Kollektivs Opus Akoben aus Washington. Coleman ist es gelungen, durch eine komplexe Rhythmik aus zwei Bands Eines zu machen. Die Musiker spielten eigene Rhythmen in unterschiedlichen Zyklen. Die Zyklen trafen sich und gingen wieder auseinander. Diese Schwankungen wurden noch durch intensiven Groove unterstützt. Dieser wechselte in einem Wahnsinnstempo von leise und langsam zu laut und schnell. Die Musiker haben auf die sich verändernden musikalischen Bedingungen reflexartig reagiert, ohne dabei die Balance der Band zu verlieren.

Ich habe den Kontakt zu Steve Coleman aufgenommen, um mit gemeinsamen rhythmischen Motiven eine Performance zu verwirklichen, an der Maler und Musiker teilnehmen. Die Performance wurde an der Akademie der Bildenden Künste München im Juli 2013 erfolgreich verwirklicht.

Letztes Jahr wurde ich vom Architekturbüro Steidle angesprochen, The Beautiful Formula-Ideen an der Gestaltung einer Fassade auszuprobieren. Hier ist ein Beispiel mit einem rhythmischen Motiv 1,2,1,3,1,5.

18

Photo © steidle architekten

“Liebe nur die Spiele und den Tanz.
Suche in allem nur den Rhythmus.”
Magallon

Oleksiy Koval, München, Januar 2016
Besonderen Dank an Prof. Bernhard Lypp, Audrey Shimomura, Claus Stirzenbecher und Veronika Wenger für die Unterstützung bei der Realisierung dieses Textes

CHOLERIKER

In COMPOSITIONS on February 2, 2016 at 11:43 am
Oleksiy Koval, “Choleriker”, 2015, 70 x 75 cm, marker on FPY

Oleksiy Koval, “Choleriker”, 2015, 70 x 75 cm, marker on FPY


‘CHOLERIKER’, Oleksiy Koval, 2015

M

1/81

T

4

R

1,1,1,-
1,1,-,-
-,-,-,-
1,1,-,1

E

a,b,c… ≈

P

1A[*1,1,1],-,2A[*1,1],-,-,-,-,-,-,3A[*1,1],-,3A[1] max #(27)

Signs and symbols:

# entry
A area
T takt
M meter
R rhythmical motive
E element
P procedure

* hits the meter
[] within the same area
#(n) number of entries
≈ size of the unit is corresponding for all elements


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Oleksiy Koval

MELANCHOLIKER

In COMPOSITIONS on January 15, 2016 at 7:23 pm
Oleksiy Koval, “Melancholiker”, 2015, 70 x 65 cm, marker, tape on FPY

Oleksiy Koval, ‘Melancholiker’, 2015, 70 x 65 cm, marker, tape on FPY


‘MELANCHOLIKER’, Oleksiy Koval, 2015

M

1/49

T

1,2,3,5

E

a,b,c,d,e,f,g

P

a *- (max 7 x)
b *- (max 7 x)
c *-,- (max 7 x)
d *-,- (max 7 x)
e *-,-,- (max 7 x)
f *-,-,- (max 7 x)
g *-,-,-,-,- (max 7 x)

M meter
T takt
E element
P procedure

* hits the meter


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Oleksiy Koval

TAKT

In COMPOSITIONS on December 10, 2015 at 7:07 am

T TAKT


The takt is a fixed number of units during one single entry.

Examples: takt 2, 3, 4 & 5 (A T2, B T3, C T4, D T5)

takt


Example: using takt in composition Schar

schar02

Oleksiy Koval, Schar, 2015, 70 x 75 cm, marker on FPY.
Photo © Klaus Mauz

M

1/4

T

1,2,3,5

E

a,b,c,d,e,f ≈

P

*a+b+c+d+e+f

a T1 (1-5) #5
b T2 (1-5) #5
c T1 (1-5) #5
d T3 (1-5) #5
e T1 (1-5) #5
f T5 (1-5) #5

Signs and symbols:

U unit
# entries
M meter
T takt
E element
P procedure

* hits the meter
+ has to touch
(n) size of unit
≈ size of the unit is corresponding for all elements


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Oleksiy Koval

KOKTEBEL SUITE

In COMPOSITIONS, EVENTS | VERANSTALTUNGEN on December 6, 2015 at 9:11 am
Oleksiy Koval, “Koktebel Suite”, 2014, 60 x 50 cm, marker on MDF. Photo © Klaus Mauz

Oleksiy Koval, “Koktebel Suite”, 2014, 60 x 50 cm, marker on MDF. Photo © Klaus Mauz


“KOKTEBEL SUITE”, Oleksiy Koval, 2013

M

1/4 , 1/9

R

1,1,1,2,3,2,2,3,1,1,2,1,3,1,5
2,2,3,2,2,3
1,1,1,1,1,1
2,2,2,2,2,2
3,3,3,3,3,3
1,2,1,3,1,5

E

a, … ≈

P

#1. M1(1/4) [*1,1,1,2,3,2,2,3,1,1,2,1,3,1,5]
#2. M1(1/9) [*2,2,3,2,2,3]
#3. M1(1/4) [1,1,1,1,1,1]
#4. M2(1/9) [*2,2,3,2,2,3]
#5. M2(1/4) [*1,1,1,2,3,2,2,3,1,1,2,1,3,1,-]
#6. M3(1/9) [*2,2,3,2,2,3]
#7. M2(1/4) [2,2,2,2,2,2]
#8. M4(1/9) [*2,2,3,2,2,3]
#9. M3(1/4) [*1,1,1,2,-,2,2,-,1,1,2,1,-,1,-]
#10. M5(1/9) [*2,2,3,2,2,3]
#11. M3(1/4) [3,3,3,3,3,3]
#12. M6(1/9) [*2,2,3,2,2,3]
#13. M4(1/4) [*1,1,1,-,-,-,-,-,1,1,-,1,-,1,-]
#14. M7(1/9) [*2,2,3,2,2,3]
#15. M4(1/4) [1,2,1,3,1,5]
#16. M8(1/9) [*2,2,3,2,2,3]
#17. -,-,-,-,-,-,-,-,-,-,-,-,-,-,-

M meter
R rhythmical motive
E element
P procedure
# entry

* hits the meter
[] within the same area
size of the unit is corresponding for all elements


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Oleksiy Koval

KUROS NEKOUIAN & OLEKSIY KOVAL | LW44 MUNICH 2015

In EVENTS | VERANSTALTUNGEN on November 20, 2015 at 5:53 pm

lw44-oleksiy&kuros-rgb

KUROS NEKOUIAN & OLEKSIY KOVAL
LW44 Dialog #01

Vernissage: Donnerstag 12.11.2015  19:00

Einführung: Dr. Karin Wimmer  20:00

Ausstellung: 13.11.-13.12.2015

(Öffnungszeiten nach telefonischer Absprache)

LW44   Kuros Nekouian

Lindwurmstr. 44 / 4. Stock

80337 München

0170 – 4166899

info@lw44.de

www.lw44.de

KUROS NEKOUIAN

Schwarm • Rhythmus • Netzwerke • Evolution • Chaos • Schimmel • Entropie • Strukturen • Mutation • Schaum • Koalitionen • Pandemie • Austausch • Kolonien • Bewegung • Klone • Biodiversität • Myzel • Kommunikation • Individuum • Verhalten • Parasit • Bastard •
Makrokosmos und Mikrokosmos. Strukturen und Beziehungen in Gesellschaften, oder der Blick in unser Innerstes, da unserer Körper Wirt für Milliarden von Bakterien ist, die erheblichen Einfluss auf unser Leben haben. Dies sind nur einige Assoziationen und Ideen hinter der zeitgenössischen organischen Abstraktion und den biomorphen Formen, die man in allen meinen Arbeiten wiederfindet. www.kuros.de

OLEKSIY KOVAL

Je tiefer ich mich mit der Malerei auseinandersetze, desto komplexer erweist sich mein Wissen von ihr. Malerei beginnt mit Gesundheit, psychischer Disposition, Verstand, Intuition, Fantasie und konzeptuellem Vermögen – und sie endet mit dem Anbringen von Farben auf einer Fläche. Ich werde unverzüglich bestraft, wenn ich die Gesundheit vernachlässige, den Verstand missachte und Intuitionen nicht zulasse. www.oleksiykoval.de


001

Oleksiy Koval, lw44, Munich 2015. Photo © Klaus Mauz

 

 

003

Oleksiy Koval, lw44, Munich 2015. Photo © Klaus Mauz

 

 

3122433315555

Oleksiy Koval, 3122433315555, 2015, 80 x 70 cm, marker on cotton.
Photo © Klaus Mauz

 

 

un_m3

Oleksiy Koval, Untitled M3, 2015, 65 x 60 cm, tape on FPY.
Photo © Klaus Mauz

 

 

funktor_wp

Oleksiy Koval, Funktor, 2015, 70 x 60, marker, tape on FPY.
Photo © Klaus Mauz

 

 

h2xschwarz

Oleksiy Koval, H(2xSchwarz), 2015, 140 x 130 cm, ink on cotton.
Photo © Klaus Mauz

 

 

ge_fk

Oleksiy Koval, Grischuk – Eljanov, 2015, 140 x 100 cm, oil on cotton.
Photo © Klaus Mauz

 

 

patapum

Oleksiy Koval, Patapum…! Patapum…! Patapum…!, 2015
130 x 140 cm, marker on cotton. Photo © Klaus Mauz


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